Die politische Pause in Frankreich.
Pari« im April.
Selten hat eine so vollkommene Windstille in dem pariser Leben geherrscht, wie in diesem Augenblicke. Man muß an den Ufern stehen, um zu merken, daß das Meer, trotz der Ruhe seiner Oberfläche, dennoch den ewigen Gesetzen der Bewegung nach wie vor gehorcht. Aber selbst an den Ufern sind die Wellen der Brandung so unbedeutend, treten sie so geräuschlos vorwärts und zurück, daß man kaum die Nähe des furchtbaren Elements erräth. Es gibt auch Leute genug, die'sich einbilden, daß es mit dem französischen Volke aus und am Ende sei. Aber wer diesen Glauben theilen und auf ihu bauen sollte, würde uoch oft genug Gelegenheit finden, sich zu enttäuschen. Frankreich ist seit 1830 in eine Bahn hineingerathen, die nicht zum Guten führt, auf der sich seine Kraft, wenn nicht sein guter Stern es dereinst wieder aus ihr hinauswirft, höchst wahrscheinlich vollkommen abnutzen wird. Aber noch ist diese Kraft stark genug, dem Volke selbst auf dieser Bahn die mächtigsten Anstrcnguugeu zu erlauben. Die Sucht, rasch so reich als möglich zu werden, hat das ganze Volk ergriffen und zehrt au seinem gesunden Kern. Die Begeisterung für eine Idee, das ritterliche Wesen des ehemaligen Frankreichs schwindet immer mehr; aber die materielle Kraft der Nation ist nichts weniger als abgenutzt, ja wird durch den Geist, der sie jetzt beherrscht, eher vermehrt als vermindert. Wo die Interessen Frankreichs es zum Kampfe auffordern werden, wird sich sehr bald zeigen, daß gegenwärtig die ganze prosaische und berechnende Kraft der Nation noch immer Wunder zu thun im Stande. Es ist vielfach in derselben Lage, in der England bereits seit einem Jahrhundert und länger ist. Auch hier fehlte der höhere beseelende Funke, auch von England sagen schon seit einem Jahrhundert die Denker daß es im Verfalle begriffen, während es immer
) So uyter andern, Rousseau und Friedrich >l. Grknzbote». II. 1847.