Polizeiliche Ehescheidung.
„Wie ich Euch sage, Frau Gevatterin! Wie ich Euch sage. Hat die gräulichsten, gotteslästerlichsten Dinge drucken lassen, glaubt weder an Gott, noch den Teufel, noch den König! Gott steh' uns bei, Frau Gevatterin!"
„Wie ich Euch sage. Und heute Morgen ist der Kommissair gekommen mit vier Gensd'armen, hat ihm alle seine Briefschaften versiegelt, und ihn auf die Vogtei abgeführt/'
„Was man nicht erlebt in diesen Zeiten! Und dieser stille magere Mensch mit seinem Wassersuppen-Gesicht. — Ei, du mein Gott, wer Hätt'S von dem geglaubt, daß er mit der Polizei zu thun kriegte!"
„Hab'S immer gesagt, Frau Gevatterin, sind Heimtücker die Kerle. Jetzt sieht man's. Ein Kommissair mit vier Gensdarmen, und am hellen Tage durch die Stadt geführt!"
„Ach, und die arme junge Frau mit ihren drei Kindern! Um die thut's mir leid, Gott verzeih mir's, nicht um den Mann, nicht im Geringsten. Aber eS war so eine liebe, brave Frau, trug sich immer so nett und war so freundlich — Herr, mein Gott, waS wird das für ein Schlag für die arme Frau gewesen sein!" —
„Ist aber selbst Schuld daran, warum hat sie sich mit so Einem eingelassen. Das Literatenvolk ist gar nichts werth. Aus aller Herren Länder werden sie weggejagt, laufen in der Fremde herum, oder werden eingesperrt. Alle Woche steht so eine Geschichte in der Zeitung, und erst neulich habe ich gelesen, daß sie Einen auf sieben Jahre nach Magdeburg gebracht haben."
„Ei du mein Gott, Frau Gevatterin, auf sieben Jahre, das ist ja gräulich!"