Ludwig ZachariaS Werner.
In Wien lebt eine alte Dame, eine ehemalige Freundin und Beichttochter von Ludwig ZachariaS Werner. Was sie mir über diesen verrufenen Mystiker, über diesen christlichen Aeschylos (wie ihn Andreas Schuhmacher nannte) mittheilte, enthält vielleicht mehr Charakteristisches, als manche Literaturgeschichte über Werner herausspin- disirt. Die Dame ist eine von jenen, die in der Jugend fromm gewesen und im Alter klug werden; im Gegensatz zu jenen, welche die Augen allzufrüh öffnen, uin sie nach einer an Erkenntnissen zu reichen Jugend mit einem Pater Pecavi demüthig zu Boden zu senken, und im Aller fromm zu werden. Sie stand schon auf jener Höhe des ruhigen Bewußtseins, um lächelnd von alten Irrthümern, ja mancher verzeihlichen Sünde, erzählen zu können; auch hatte sie genug gelitten, und so Ruhe genug gewonnen, um alte Zeiten und vorübergegangene Persönlichkeiten klar zu beurtheilen.
Die Winterabende wurden bei ihr mit Lectüre des Neuesten verbracht. Wir lasen eben Heine's „Romantische Schule" und kamen an Zacharias Werner, von dem Heine sagt, daß er den Wienern von der Kanzel herunter seine alten Sünden erzählte. Frau von K., so hieß die alte Dame, legte die Hand aufs Buch und sagte halb scherzend, halb traurig ernst: „Der frivole Heine, wüßte er, wie ernst es dem armen Werner um seine öffentlichen Beichten war und wie gern er jede Gelegenheit ergriff, sich wahrhaft reuig anzuklagen, er hätte vielleicht in einem andern Tone von meinem geistlichen Freunde gesprochen."
„Wie, Werner war Ihr Freund, Sie kannten Werner?" fragte ich überrascht.
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