Patriotische Phantasien
über den preußisch-deutschen Zollverein,
von
F. von Florenconrt.
Ich gehöre zu den unglücklichen Leuten, denen es nie ganz recht gemacht werden kann. Ueberall muß ich ein Aber und ein Fragezeichen anhängen, und wo die ganze Welt jubelt, kann ich nicht umhin, einige dissonirende Stoßseufzer ertönen zu lassen. Ich bin also ein Oppositionsmann von Natur, der immer'noch zu wünschen und zu kritcln hat, wenn auch alle Wünsche, die er eben ausgesprochen, vollständig erfüllt sind. Dabei mache ich nicht blos Opposition gegen die Regierung und deren Staatsregeln, wiewohl ich oft genug über sie leise und, wenn es erlaubt ist, auch laut brumme ; ließe ich es dabei bewenden, so wäre mein Looö noch nicht gar so schlimm. Ein solcher Regierungs-Opposttionsmann ist gar nicht so übel dran, wie man meint; was er auf der einen Seite an Mißgunst erntet, dafür wird er auf der andern Seite durch den Beifall seiner Genossen entschädigt. Diese Genossenschaft, die stets Opposition macht gegen das, was von oben kommt, und Alles lobt und vertheidigt, was von Einem aus ihrer Mitte herrühret, ist groß genug, um das beifallbedürftige Herz zu trösten und zu erfreuen. Zu ihr gehören alle die braven Leute, die da meinen, die Welt sei im Grunde ein Paradies, von lauter vollkommenen Menschen bewohnt, und nur durch den unglücklichen Zufall, der eben die jetzige Negierung an's Nuder gebracht habe, sei die Büchse der Pandora über diese Stadt von lauter Engeln ausgeschüttet; sobald nur eine andere Verfassung, andere Minister oder dergleichen da seien, so nähme daS tausendjährige Reich alsbald seinen Anfang. Sodann gehören dazu alle diejenigen, die gern in Kutschen, am liebsten in Staats-
Grcnzbotcn, IS4ü. III. 69