Wie man Redacteur eines Regiernngs blattes wird?
Welche Laufbahn ist stärker der Versuchung ausgesetzt als die eines Journalisten? Wo sind die Abwege so häufig? Wo gibt eS einen schärferen Probirstein für Charaktere? Dem freisinnigen Beamten, Offizier, Deputaten, Professor u. s. w. bietet sich allerdings mancher Moment im Leben dar, der ihn zum Uebergange in'S andere Lager, zur Aenderung seiner Prinzipien verlockt. Aber, diese Momente sind spärlich, kommen bisweilen nur nach Jahren, bei außerordentlichen Gelegenheiten. Auf den Journalisten aber stürmen sie jeden Tag ein. Jeden Tag kommen Verführungen, Conflicte, die den Boden unter seinen Füßen lockern. Wie seine Feder nur einigen Ruf, seine Stimme nur einiges Echo gefunden, da kommen die Syrenen und spiegeln ihm das herrliche Leben vor und die Vortheile, die seiner warten, wenn er „hübsch vernünftig" sein wolle.
In meinem Schlosse ist's so sein, Kommt Ritter, kehret bei mir ein!
Darum gibt es auch nirgends mehr der Gefallenen als auf dieser schlüpfrigen Bahn, darum gibt es auch so wenig Journalisten, die am Abend ihrer Laufzeit noch in derselben Reihe, unter derselben Fahne stehen, wie am Morgen.
Da liegt ein ganzes Leben eines solchen Gefallenen vor uns: „Blicke aus der Zeit und in die Zeit" von 0i. K. H. Hermes.*) Mit welchen Hoffnungen und wahrscheinlich mit welchen guten Vorsätzen ist dieser Mann in die Journalistik getreten und nun nach
*) „Blicke aus der Zeit und in die Zeit. Randbemerkungen zu der Tages- gcschichte der letzten fünfundzwanzig Jahre. Braunschweig, Westcrmann, 1845."