Gottsched und Gellert.
Charakterlustspiel von Heinrich Laube. Aum erstenmale aufgeführt auf dem Leipziger Stadttheater, am 13. September.
Wir sind in das Jvhr 1762 zurückversetzt, in jene Schlußepoche des siebenjährigen Krieges, dessen vorletzter Akt die für Preußen siegreiche Schlacht bei Freiberg in Sachsen war. In der Universitätsstadt Leipzig hat man noch keine Ahnung von der Wendung dieser Schlacht. Man denkt vielmehr den Sieg der Reichsarmee ganz nahe, und ein italienischer Offizier und Hauptagent gegen Preußen, Graf Bolza, auf dessen Verfolgung der General Seidlitz es besonders abgesehen hat, wagt sogar einen galanten Ausflug nach Leipzig, um der liebenswürdigen Professorin Gottsched, die er in Dresden kennen lernte, den Hof zu machen. Herr Gottsched selbst, (Johann Christoph Gottsched, Professor der Philosophie und Dichtkunst, der Logik und Methaphvsik, Decemvir der Universität, Senior der Philosophen-Facultät und des Fürstencollcgiumö — so nennt ihn der Theaterzettel mit Ausführlichkeit) hat so eben die ganze Facultät zusammenrufen lassen, um einen Protest gegen eine Zumuthung der preußischen Regierung einzulegen, die eine Abänderung in den Vorträgen über Geschichte und Jurisprudenz verlangte. Herr Gottsched sieht darin einen Angriff auf die Lehrfrei- heit, dem die Universität entschieden begegnen müsse. Alles hat bereits unterschrieben, nur der außerordentliche Professor der Moral, Geliert, fehlt noch. Da tritt der bescheidene Mann, der populärste Dichter im ganzen damaligen Deutschland ein, der hochfahrende Gottsched kanzelt ihn ob seinem langen Ausbleiben mit großer Arroganz ab, der schüchterne Gellert wendet ein, daß es wohl jetzt gefährlich und unzweckmäßig sei eine solche Protestation zu wagen, aber Gottsched bramarbasirt und bestimmt ihn endlich zur Unterschrift. Noch eine zweite Protestation aber soll unterschrieben werden. Eine
Gr-nztotcn, 1845. IN. KZ