T a g e b u ch.
i.
Bnnte Belletristik.
Ein artiger Haufe schöngeistiger Literatur, durch den wir uns nicht ohne Mühe durchgelesen haben, liegt vor uns, ohne daß der Raum dieses Blattes uns mehr als einige skizzirte Bemerkungen erlaubt.
Der Kreuzweg. Eine Novelle von Ludwig Heiberg. Frei aus dem Dänischen übersetzt. — Ludwig Heiberg wird neben Andersen unter den besten Dichtern der dänischen Gegenwart genannt. Allein die vorliegende Erzählung — eine Novelle ist's nicht — legt für den Poeten kein günstig Zeugniß ab. Sie enthält wohl viel psychologisches Werk, aber kein echt poetisches Element, bewegt sich dabei im kleinbürgerlichen Leben und Styl, erinnert auch auffällig an die Art der schwedischen Frederike Bremer. Außerdem ist, trotz der freien Uebersetzung, keine gute deutsche Satzfügung zu Stande gekommen.
Neue Märchen, (Zweite Auflage) und Bilderbuch ohne Bilder, (dritte Auflage) von L. H. Andersen. Aus dem Dänischen übertragen von Johann Reuscher. Zwei sehr dünne Heftchen voll von frischester und wohlthuendster Poesie, dabei eine vortreffliche Sprache und der Beweis für die Ancrkenntniß des Publikums in einer zweiten und dritten Auflage. Warum also noch ein kritisches Urtheil?
Der „Uebersetzungbibliothek der modernen polnischen Literatur" erster und zweiter Band enthalten zwei Romane des Grafen von Srarbek. Der erste nennt sich humoristisch und gibt Leben und Schicksale des Felix Fürsten Dodssinsky von Dodoscha. Sein Uebersetzer sagt, wir thäten Unrecht daran, die „namentlich die der Gegenwart in so hoffnungsvoller Blüthe stehende Literatur unserer polnischen Nachbarn" vom klassischen Boden zu verdrängen und sie in „die Nauhheit eines sibirischen Klima's zurückzuweisen." Thun wir's wirklich, so ist's vielleicht eben jener, wenn nicht sibirische doch östliche Wind, wie er uns aus dem als naturgemäß angenommenen Regiment der Leibeigenschaft und der Stockschläge,