Seydelmann's Leben und Wirken.
Unter diesem Titel hat der Professor Th. Nötscher, dem vie Literatur schon mehrere treffliche dramaturgische Arbeiten dankt, ein Buch herausgegeben, daS, interessant für jeden gebildeten Leser, insbesondere aber das Interesse aller Bühnenkünstler und Theaterfreunde in Anspruch nimmt. Dasselbe ist bei Alexander Dunker in Berlin erschienen und sauber ausgestattet. Wir wollen hier, wo uns weniger Schöpfung und Kritik als vielmehr Sammlung und geistvolle Redaction vorliegt, keine umfassende Beurtheilung liefern, sondern uns gleichsam mit dem Werke unterhalten, um das Publikum durch diese flüchtige Bekanntmachung zum Genusse des Ganzen anzuspornen. Wir lassen das Buch, im eigentlichsten Sinne, selbst für sich sprechen.
„Die große Bedeutung Seydelmann's," sagt der Verfasser in einem Borworte, „war eine unbestrittene; selbst die ihn bekämpften, gestanden dieselbe ein." Und weiterhin: „Es ist der vollen Aufmerksamkeit werth, in unserer, an energischen, ihr Alles an eine Sache sehenden Persönlichkeiten armen Zeit einen Charakter vor sich zu sehen, in welchem jede Fiber für einen idealen Lebensinhalt glüht, mit dem der ganze Mensch sich auf Tod und Leben energisch zusammengeschlossen hat."
Daß Carl Seydelmann nun ein solcher voller und fester Charakter war, beweist uns der Verfasser in der Biographie des Künstlers, welche sich, durch die am geeigneten Orte mitgetheilten Briefe auS den verschiedenen Epochen der Lehr- und Wanderjahre Seydelmann's, zu einem organischen Kunstleben vor uns gestaltet. Denn Seydelmann hat nicht, wie die meisten andern gebildeten und