Der Devinationsjäger.
Novelle von Herrmann Schiff.
Zweite und letzte Abtheilung.
Bertha hatte schon als Kind leidenschaftlich getanzt und seitdem ihren Tanzunterricht fortgesetzt, ohne in Gesellschaft zu tanze». Sie war eine Ballettänzerin und weil sie heut zum ersten Mal auf einem Balle war, tanzte sie auch wie eine Künstlerin. Ihre Mienen hatten das graciöse Lächeln, ihre Bewegungen den leichten schwebenden Aplomb, und ihren Füßchcn entschlüpfte unwillkürlich eilt Battcment oder gar eine Pirouette. — Zum Glück hatte sie Geschmack und Delicatesse genug, sich zu mäßigen, und schien nur mit Leib und Seele zu tanzen. Dennoch hatte dieß Tanzen wie ihre Gespräche und ihr ganzes Wesen etwas, was über das Niveau der Gesellschaft hinausging, eine Folge einsamer Erziehung, die stets etwas zurückläßt, was einer Ueberspannung ähnlich sieht.
Bertha bezauberte heute alle Herren und besonders die Franzosen; aber die Damen waren empört, zuckten die Achseln, rümpften die Nasen und flüsterten: In Allem verräth sie die Rotüriere. Warum ist sie hier, sie gehört nicht zu uns. Und wie freundlich sie mit den Herren thut, die doch nur ihren Millionen huldigen! — Welche Feindseligkeit! dachte Bertha, die sie flüstern hörte. Ich bin doch gewiß einfach genug gekleidet, allein sie gönnen mir nichts; ich komme nie wieder hierher. — Mehr als dieß aber verletzten sie andere Aeußerungen. Man machte sich auch über Oskar lustig: DaS Gräflein, wie eS dasteht. Ein Ritter Toggenburg; das wiro tragisch, er kann sie nicht heirathen. Und Bertha schenkte ihm deßhalb auS ihren schwarzen zauberischen Augen hin lind wieder einen mitleidigen vorwurfsvollen Blick.