Schiller s
Von einem
Begräbnis.
alten Manne.
Aus Weimar.
Es ist über diesen Gegenstand viel gesprochen, geschrieben und gefabelt worden; man hat sogar behauptet, Reisende hätten in Weimar nicht einmal Schiller's Ruhestätte erfahren können und deshalb hat man die Einwohner als Vandalen bezeichnet; ja der Obermedi- cinalrath von Froriep hat sogar im Schiller-Album (Seite 77) behauptet, außer ihm und dem Schwager des Verstorbenen, Geheime- rath von Wollzogen, sei Niemand der Leiche gefolgt, eine Behauptung, über deren Irrthum er sich leicht hätte in Weimar belehren lassen können, da selbst mehrere seiner Bekannten bei der Beerdigung zugegen waren. Um endlich einmal das Publikum über die wahren Umstände in Kenntniß zu setzen und die Einwohner Weimars von dem Vorwurfe des Jndifferentismus gegen ihren großen, verstorbenen Mitbürger zu rechtfertigen, dazu wird in der Folge ein actenmäßiger Bericht dienen, welchen Herr Hofrath Schwabe, erst ganz neuerlich öffentlich dazu aufgefordert, jetzt zu veröffentlichen um deswillen Anstand zu nehmen scheint, weil er besorgt, es könnten sich manche noch lebende Personen dadurch unsanft berührt fühlen.
Schreiber dieses, welcher von den Umständen durch Mittheilungen glaubwürdiger, sowohl bei dem Begräbniß Schiller's als bei dessen Beisetzung in die großherzogliche Gruft zugegen gewesener Personen genau unterrichtet ist, will daher folgende Notizen einstweilen hier mittheilen.
Es ist ein Jrrtbum, wenn behauptet wird, eS habe sich darüber, durch wen Schiller's Leiche an seine Ruhestätte gebracht werden solle, eine Irrung entsponnen, indem sowohl die Schneider als Zimmer-
Grenzbotcn, I»iS. III. 5Z