T a g e b u ch.
i.
Aus Wien.
Spanische Hochzeit. — Der Stern der Koburger, — Graf Haller und die Agramer Vorfälle. — Charakteristik magyarischer und slavischer Oppositions- manner. — Fürst Milosch. — Jömael Bei und der Maler Theer. — Eine Künstleranekdote. — Draytbinder und Räuber. — Tyroler Talente- — Die Metzger und ihr Monopol.
Die Heirarhsfrage der unschuldigen Jsabella soll nunmehr ihrer Lösung nahe sein. Man versichert jetzt mit Bestimmtheit, daß alle übrigen Combinationen als beseitigt zu betrachten sind und die Zusammenkunft der Herrscher am Rhein und die gleichzeitige Besprechung in Nordspanien zwischen der jungen spanischen Königin mit dem Herzog von Nemours die langen diplomatischen Verhandlungen endlich zum Abschluß bringen werden. Die französischen Prinzen sind aus leicht erklärlichen Gründen freiwillig zurückgetreten, nachdem der Graf von Trapani gleichfalls den ihm Anfangs gemachten Hoffnungen entsagte und von Oesterreich das Anerbieten des spanischen Agenten höflich abgelehnt worden war. Lange Zeit sprach man von einer Verbindung der Königin mit dem Prinzen von Lucca, welcher in der Person der ihm blutsverwandten Kaiserin von Oesterreich eine mächtige Fürsprecherin besaß, doch auch dieser Plan wurde in der Folge wieder aufgegeben, so wie geheime Gründe obwalten, die das Heiralhs- projekt mit einem der Söhne des Jnfanten Francisco de Paula unmöglich machen. Die nordischen Machte, die ihre Absicht in Betreff des Prinzen von Asturien keinen Augenblick aus den Augen verloren haben und deshalb die Abdankungsacte des Staatsgefangenen in Bour- ges betrieben hatten, sehen, wenigstens zum Theil, die Unmöglichkeit ein, ohne Gefahr erneuten Bürgerkriegs den Sprößling der absolutistischen Linie auf den Thron der Halbinsel einzusetzen und wollen auf ihren ursprünglichen Gedanken Verzicht leisten. Die Abdankung des Don Carlos scheint ein Meisterstück englisch-französischer Diplomatie zu sein, die ihm die Dinge von geeigneten Personen so schildern ließ, daß diese langerwünschte Handlung zeitgerecht und nützlich für feine Nachkommen erschien, während man andererseits die Stimmung der