Briefe vom Rhein.
Ihrem Corrector hat es gefallen, mir in meinen letzten Bericht Dinge hineinzucorrigiren, an die mein Herz nicht gedacht hat.*) Mit einigen Buchstabenfehlern mag es schon hingehen, aber wenn man unsern seligen Wallraf in einen Waller umtaust, könnten die Grenzboten bald und leicht in Conflict gerathen mit unserem Buchhändler Ludwig Kohncn, über welchen die Weihe der Publicistik gekommen und der sich in seiner publicistischen Begeisterung berufen fühlt, sich eben der verstorbenen Größen Cölns anzunehmen und für ihren Nachruhm zu sorgen. Die Bildhauer und Erzgießer Deutschlands können sich freuen; er hat ein halbes Dutzend Monumente auf einmal in Vorschlag gebracht, und wird sich an die Spitze der zu diesem patriotischen Zwecke zu bildenden Comite stellen, sobald seine buchhändlerischen Geschäfte es ihm erlauben. Welche Höhe des Patriotismus! und Kohnen ist nicht einmal ein Cvlncr, sondern Verlags- und Sortimentsbuchhändler, bei dem man eiixlish non- zmiwrs lesen kann und welcher sich über die Maßen ärgert, daß der Dombauverein es gewagt hat, am Kreuz des Chors eine Gedenktafel über die drei ersten Jahre seines Bestehens einmauern zu lassen. Wehe über die Barbarei des neunzehnten Jahrhunderts! und dreimal wehe über ihren Gedenksteine setzenden Wandalismus! Zum Heile der Menschheit hat aber Deutschland noch Männer, wie den Buchhändler Ludwig Kohnen aufzuweisen!
Der Lebensstrom ist, nachdem die Festlichkeiten alle glücklich vorüber, wieder für Cöln in seine gewohnten Grenzen getreten; die Leute machen in Ouadratfüßcn Zucker, Kaffee, Häuser u. s. w., gehen in's Casino, um sich zu langweilen, besuchen ihre Clubs und Schöppchenhäuser, um über die sogenannten deutsch-katholischen Be-
Möchte doch dieses Herz des geehrten Herrn Einsenders auch einige mitleidige Regungen für Setzer und Corrector fühlen und das Regligöe seiner Handschrift modificiren, zu deren genauen Entzifferung wir einen Klaproth oder Cyampollion als Corrector brauchten. D. Red.