Beitrag 
Der Devinationsjäger : Novelle
Seite
361
Einzelbild herunterladen
 

Der

D e v i n a t i o n s j 6 g e r.

Novelle von L»»-. Herrmau» Schiff.

Erste Abtheilung.

Vor Zeiten gab es ein prächtiges Etablissement unfern der Residenz, bei dem sehr altsehnlichen Dorfe Colthausen, welches seiner hohen, dunklen Baumgänge und schattigen Plätze und Lauben hal­ber cliür-obscul- hieß. Der Wirth daselbst hatte in einem Feen- palaste sich wahrhaft fürstlich eingerichtet, ,in der Hoffnung, den gan­zen lieben Sommer lang die schöne Welt der Residenz bei sich zu sehen. Aber Aufwand ist Sache des Einzelnen und nicht der Menge; das Volk kann nicht fürstlich leben und das Publikum keinen Pri- vatlurns begünstigen. Auch kostete der Garten große Summen zur Unterhaltung und zu spät bemerkte der Wirth, daß er sich verrechnet hatte. Er mußte endlich froh sein, einen Käufer zu finden, der den fürstlichen Sommersitz nicht eben unter dem Preise bezahlte, und ver­kaufte ihn dem reichen Finanzrath Ruhland, einem Millionär.

Den Gcldmcnschen gönnt man die Ansprüche nicht, die sie nur deshalb machen, weil sie sie bezahlen; das bloße'Glück ohne Ver­dienst erregt immer Haß und Mißgunst. Man verargte es dem Millionär, daß er das schöne cl.ür-obscur zum Privateigenthum ge­macht und dem öffentlichen Vergnügen entzogen, und rächte sich mit denjenigen Waffen, die dem Publikum zu Gebote stehen, mit Spott und Medisance. Aus clmr-odscui- bei Colthausen machte man coeui-odscm- bei Goldhaufen, welcher Name gang und gäbe ward, so daß der Millionär selber seine prächtige Villa vveur-ndseur nannte, vielleicht aus Troß, vielleicht weil der Name ihm besser ge­fiel, vielleicht auch weil er nicht Französisch verstand.

Grcnzbotcn, 1»iS. lll. 47