Leu von Ebersol
und die
Sittenzustände in den Schweizerkantonen.
Politische Meuchelmorde sind seit mehreren Jahren in der Schweiz nicht selten vorgekommen; sie sielen bis jetzt ohne Widerrede sämmtlich der Partei der Eonservativen oder Altschweizer zur Last. Ihre Opfer waren entweder Jungschweizer oder Liberale, und sie ließen sich leicht an zwei charakteristischen Merkmalen erkennen. Denn eines- theils sind die Thäter niemals entdeckt oder bestraft worden, weil sie erst vorkommen, seit die konservative Partei zu Kräften und in mehreren Kantonen zur Negierung gekommen ist, so daß entweder die Maßregeln so gut getroffen werden konnten, daß kein Verdacht aufkam, oder die Untersuchung gegen Verdächtige schlecht geführt oder niedergeschlagen wurde; — und anderntheils sind diese Meuchelmorde nur das Glied einer Kette von jenen Ränken und finstern Handlungen, denen die legitime oder konservative Partei in der Schweiz ihre Wiedererhebung in einigen Kantonen zu verdanken hat. Sie sind ein ergänzender, unzertrennlicher Theil deö Nestaurationögeschäftes, sie finden ihre vollständige Erklärung in dem Vorhergehenden und Folgenden, sie sind die Opfer, womit die konservative Partei entweder eine Entscheidung hervorrufen, oder sich den Erfolg sichern will.
Im Jahre 1839 hatte die konservative Partei im Kanton Zürich einen Aufstand gegen die verfassungsmäßige liberale Negierung angezettelt. An der Spitze eines Psalmen singenden Pöbels zogen die konservativen Häupter, zum Theil reformirte Geistliche, gegen die Stadt, um die Regierung zu stürzen. Der liberale Negierungsrath Gagetschwyler, allgemein beliebt und geachtet, mischt sich unter'S Volk, um durch Zureden die Aufregung zu beschwichtigen. Der
Wrcnjtoten, 184». I». Z7