Zwei Bilder in einem Saale
Düsseldorf im August.
Die Düsseldorfer Kunstausstellung bietet in diesem Augenblick ein paar sehr interessante neue Erscheinungen, und lockt viele Besuche von nah und fern. Jeder will „das große Bild" sehen, von dem man schon so viel Schönes in öffentlichen Blättern gelesen, und wer nichts von diesen Borläufern der Kritik weiß, läßt sich durch den Ausruf „es ist ungeheuer groß, 16 Fuß lang und 12 Fuß hoch" enthusiasmiren. Da drängt sich nun das schaugierige Publikum aus den großen Galleriesaal an allen kleinen Bildern vorbei in den letzten Saal hinein, man hört von jedem Eintretenden ein leises oder lautes „ah!" und dann sieht man die Aufmerksamkeit an jedem verwundert geöffneten Munde. Das große Tableau von Carl Schorn „die gefangenen Wiedertäufer vor dem Bischof von Münster" steht vor uns, und der erste Eindruck desselben ist in der That überaus imposant. Wir haben von Berlin aus verschiedene Beschreibungen dieses Kunstwerks gelesen, worunter eine sehr ausführliche des Herrn von Sternberg im Morgenblatt, die überreich an originellen Wendungen, ihre Wirkung in der „gebildeten Leserwelt" gewiß nicht verfehlen wird. Man hört gern das Urtheil eines geistreichen Dichters über einen Künstler, es sind da verwandte Naturen und der Eine kann sich recht tief in die Seele des Andern hineindenken; aber wir baben nicht immer einen Hogarth und Lichtenberg zusammen, und lassen uns nicht immer bei jeder Unbedeutenheit in Entzücken versetzen. Blumenreicher Styl, so sehr er die Novelle zieren mag, ziert nicht immer die Kritik, und wenn der beurtheilende Dichter seine Worte vom Parnaß herunter holt, um das materiellste der Malerei, die Farbe damit zu schmücken, so arbeitet er für die nüchtern-prosaische Menschheit vergebens. Herr von Sternberg nennt die