Alexander von Humboldt.*)
„Die Zeiten, in denen sich eine lebendige geistige Bewegung offenbart, zeigen den entschiedenen Charakter eines unveränderlichen Strebens nach einem bestimmten Ziele; die thätige Energie dieses Strebens verleiht ihnen ihre Größe und ihren Glanz."
Diese Worte, welche Humboldt auf das fünfzehnte Jahrhundert anwendet, können eben sowohl auf das neunzehnte ihre Anwendung finden. Unter allen geistigen Tendenzen, welche sich in unsere Zeit theilen und gegenseitig den Vorrang streitig machen, tritt eine hervor, welche gewissmnaaßen alle übrigen beherrscht und umfaßt, eine solche, durch welche dieses Jahrhundert, daö vielleicht dem vergangenen in manchen Punkten nachsteht, berufen scheint, die Macht des menschlichen Geistes innerhalb Verhältnisse, welche den früheren Zeitaltern unbekannt waren, zu manifestiren. Jenes geistige Streben, welches sich, nach meiner Ueberzeugung, in den Augen der Zukunft als der bezeichnende Charakter der Gegenwart herausbilden wird, besteht gerade in der immer wachsenden Thatkraft, mit der sich das Menschengeschlecht zum praktischen Studium der Naturwissenschaften hingetrieben fühlt. Zu keiner Zeit ist die wissenschaftliche Kenntniß der Natur und ihrer so mannigfaltigen Producte, das Studium ihrer so geheimnißvollen Gesetze, die Anwendung ihrer so riesenhaften Kräfte mit so ungewöhnlichem Eifer und so wunderbaren Resultaten verfolgt worden, als eben jetzt.
*) Von dem Verfasser der Biographie A. W. Schlegel's. Siehe Grcnz- boten Nr. 23.
«Sr-nztot-n, ISi«. »I. 18