T a g e b u ch.
i.
Aus Hamburg.
Geldmangel. — Bürger und Bürgereid. — Neues Anlehen. — Religiöses. — La Röche und die Bühne.
Vielleicht trägt die ungebührliche Hitze Schuld, daß an unserm Geldmarkt das Baare so trübselig zusammengeschmolzen ist. Wohin man horcht, gibt's Klagen in einer Erläuterungssauce. Rußland entführte aus der Bank starke Massen Silberbarren, welche dort oben sehr „angenehm" waren, wie das kaufmännische Lexikon sagt; die Wollmärkte haben viel Geld absorbirt; beträchtliche Einzahlungen für die neuconcessionirten Eisenbahnen trafen unerwartet zusammen; das jetzt sehr starke Colonialwaarcngeschäft und die Einwirkung des Papiers der Feuerkassenanleihe sind ebenfalls Ursachen, wodurch die ungünstigen Geldconjuncturen herbeigeführt wurden. Uebrigens hält dergleichen nie lange Stand. Hamburgs mcrkantilische Kraft ist gigantisch; sie spielt mit Hindernissen, sie hat tausend Hilfsmittel, um jede Ungunst des Augenblicks paralysiren zu können. Daher hatte auch die jetzige Geldnoth noch keine merklich ungünstige Folgen und bald wird Alles wieder im rechten Gleise sein. — Die Anmeldungen zum Bürgerwerden häufen sich ungemein. Die alte Hansestadt mit den theilweise neuen Gliedern entwickelt fortwährend die größte Anziehungskrast. Neben dem modernen Schwindel ist doch auch noch ein gut Stück der alten Solidität bemerkbar, und je mehr der jetzige Zustand des Werdens und Gebärens dem der vollendeten Entwicklung und neugewonnenen Festigkeit weichen wird, um so mehr werden wir hoffentlich auch in die alte, gute Bahn wieder einlenken. Ich berichtete schon früher einmal, daß Hamburgs colossaler Aufschwung mitbedingt gewesen sei von der Leichtigkeit, mit welcher sich jeder unbescholtene Mann hier niederlassen und seine Geschäfte treiben könnte. Den alten urkräftigen Hamburger Bürgereid glaube ich heute ohne eine Profanation zu begehen, hier mittheilen zu dürfen. Er lautet: „Ick lowe (gelobe) und