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Erinnerungen an Cassel.
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Erinnerungen an Cassel.

Cassel hochverräterische Alterthumsforscher und Gelehrte be« Häupten, der Name sei von Castel abzuleiten, und ich kann nicht begreifen, warum man nicht eine solche gelehrte Behauptung von Po­lizeiwegen gründlich verbietet, oder wenigstens den kurfürstlichen Post­ämtern und Vereinen für hessische Geschichte die Ausgabe solcher un- patriotischcn Hypothesen untersagt. Wer denkt nicht bei dem Namen unwillkürlich an finstere Mauern, Kerkerketten, bramarbassische Sol­dateska, Thorschrciber, Paßvisitationen und dergl.? Und nun mein liebes, freundliches Cassel, wie es da vor mir liegt mit seinen offenen, reinlichen Häusern und modernem Steinkohlengeruche, so hübsch bür­gerlich und kleinstädtisch an dem Fuldathale gelegen, das eben wieder auö dem langen Winterschlafe hervorlebt, dem will man einen so unheimlichen Namen andichten! Nein, diese Stadt ist der Friede selbst, der mit so stillen, träumenden Augen in das Leben dreinschaut, als gäbe es auf der ganzen Welt nichts als Felsenkeller, Klcinkinder- bewahrungsanstalten, Liebhabertheater, Symbole und Dominospiele. Aber es ist auch eine moderne Stadt, dachte ich voll stolzen Vater- landsgefühlö, als ich so durch die breiten Gassen hinfuhr, auf denen sich allenthalben eine musterhafte Straßenpolizei bemerkbar machte; als ich die rollenden Bierfäßer und die eleganten Secondlicutenants mit den knappen, zierlichen Taillen und ditto Schnurbärtchen an mir wegeilen sah, und nun gar an dem Gasthofe von einem duftenden Kellner mit einem gebildeten:eim-e? s'il vous pl-ut^ empfangen wurde. Mit dem Parliren unserer Kellner hat es übrigens nicht viel zu bedeuten; die Kasseler Hotels können im Gegentheile den be­rühmtesten Deutschlands zur Seite gesetzt werden, ja sie mögen leicht die meisten an Gemüthlichkeit, Billigkeit und reeller Güte noch übertreffen;