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Drei Tage in der Schweiz.
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Drei Tage in der Schweiz.

Frau von Göthe sagte einmal zu mir, sie sei stolz darauf, in Norddeutschland eine der Ersten gewesen zu sein, die Nikolaus Le- nau anerkannte. Ich will mir ein Gleiches auf die Anerkennung des Wallenstädter Sees zu gute thun, der selbst so schön, so tief my­stisch und mild melancholisch ist, wie ein Lenau'sches Gedicht. Es gibt in der Natur wie in der Gesellschaft verkannte Größen, die ver­gebens oft Jahrhunderte lang auf gerechte Anerkennung warten. Was ist z. B. der Schaffhausener Wasserfall mit seiner breiten Be­haglichkeit und seiner niedern Höhe im Vergleiche zu mancher ein­samen Cascade im Graubündner Land, die sich mit genialer Kühn­heit von himmelhohen Bergen über titanische Felsenmassen in schwarze Abgründe stürzt, gleich einem menschlichen Genie, das sich aus einer lichten Himmelshöhe in die grauenvollen „Abgründe des Gemüthes" versenkt? Aber die geniale Cascade liegt abseits von der Heerstraße und der großen Tour, und sie braust und braust Jahrhunderte lang, wölbt hundert entzückende Regenbogen, beleuchtet mit ihrem glänzen­den Schaume mächtige Tiefen, und auf keiner Landkarte ist sie ver­zeichnet, kein Tourist ist osficiell entzückt von ihr, kein Dichter setzt ihre Melodien in Worte, keine blauäugige Lady lüftet um ihretwillen den Schleier. Wie viele Menschen kennt Jeder von uns, die ein gleiches Schicksal haben mit den Graubündner Cascaden und Seen! Diese stehm in den Salons, wenn sie in die Salons kommen, ver­steckt im dunkelsten Winkel, hinter Fenstervorhängen, während die Lions des TageS am obersten Sopha sitzen und sich von den Da­men opfern lassen. Auch der Wallenstädter See ist einer der ver­kannten.

Grcnzbvtc», IS4S. III. I