T a g e b u ch.
i.
Aus Berlin. I.
Die religiösen Angelegenheiten. — Die Sache der Schutzzölle. — Der Verein für Auswanderer. — Das kaufmännische Schiedsgericht. — Corso. — Charlotte von Hagen's Briefe über Wien.
Während das Ministerium des Innern mit Rücksichtslosigkeit gegen die öffentliche Meinung zu Werke geht, wie der Fall mit Jtzstein und Hecker aller Welt es beweist, scheint man im Ministerium der geistlichen u. s. w. Angelegenheiten in Bezug aus die religiösen Wirren entschlossen, einen neuen Weg einzuschlagen und der Volksbewegung so viel Freiheit zu lassen, als nur immer möglich sein wird, ohne die Staatsregierung zu compromittiren. Man überzeugt sich immer mehr, daß man mit den herkömmlichen Methoden nicht ausreiche, daß das wirkliche Leben die Theorien, denen die Staatsmanner zu folgen pflegen, jeden Augenblick durch seine Entwickelung Lügen straft. Man gesteht ein, daß z. B. die letzte Köthe- ner Versammlung eine Thatsache ist, welche lehre, daß man durch Eingreifen und Hemmungsversuche Oel in's Feuer gegossen und die Lage der Regierung schwieriger gemacht habe, man glaubt, daß man durch beschränkende Maaßregeln gegen die Neukatholiken der römischen Kirche in die Hände arbeiten würde, indem man den allmaligen Uebcr- gang der neukatholischcn Gemeinden in den evangelischen Gemeindeverband, einen Uebergang, der bei ungestörter Entwickelung dieser Sache allerdings als in Aussicht stehend betrachtet werden kann, erschweren oder ganz verhindern würde. In diesem Punkte unterscheidet sich also die Stellung der preußischen Negierung von der sachsischen, indem diese den Neukatholiken allen möglichen Zwang auferlegt, ihre Schriftsteller sogar nöthigen will, mit Censur der römisch-katholischen Behörde zu schreiben. Namentlich scheint die preußische Regierung entschlossen, die Mitbenutzung evangelischer Kirchen, wenn die betreffenden evangelischen Gemeinden dieselbe bewilligen, den Neukatholikcn nicht zu verwehren, ihnen also auf diese Weise ein öffentliches Gemeindedasein zu verstatten.