Zum Verständniß der Schweiz.
Von einem Schweizer.
Es ist ein freilich leichter zu erkennender als zu verbessernder Fehler, den das große Publicum bei der Besprechung ausländischer Begebenheiten der Gegenwart begeht, daß es einen allzu subjectiven Standpunkt einnimmt, von welchem herab es fremde Verhältnisse ansieht und beurtheilt. Man lebt sich unwillkürlich so fest in seine eigenen Ideen, in die Ansichten und Zustände der uns unmittelbar umgebenden Welt hinein, daß man, ohne es zu ahnen, einseitig wird. In Dingen, welche verschiedenen Parteimeinungen unterworfen sind, gibt sich nur zu oft die Thatsache kund, daß man sich um so mehr entzweit, je entschiedener ein Jeder das Wahre auf seinem vorgefaßt richtigen Wege zu erringen strebt, daß (um sofort auf das politische Gebiet hmüberzuspklen) die Bürger verschiedener Nationen um so ungerechter gegen einander werden, je patriotischer sie sich in ihrer heimathlichen Sphäre geberden. So einseitig sind nun freilich Wenige, daß sie mit klaren Worten den altjüdischen Philisterhaß predigten und nicht wenigstens zugestünden, daß außer der Sphäre, in welcher sie sich bewegen, das Wahre und das Schöne auch seine Stelle und Verwirklichung finde; allein nur zu häufig bleibt dieses Zugeständnis- ein blos formelles, ein kalter Tribut, den das rohe Gemüth einer scheinbaren Bildung entrichtet. Wenn ich nicht klar zu unterscheiden vermag, worin das Gute und das Tadelnswerthe des Andern besteht, so ist meine Bewunderung so gut wie meine Verachtung eitel, und ich mache mich eher selber lächerlich, als den Andern verehrungs- oder vcrachtungswürdig. So einfach wahr und so allgemein in tlivsi anerkannt diese Sätze auch sind, so häufige Verstöße gegen dieselben führt uns die Praris unaufhörlich vor, und ganz
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