T a g e b u eh.
i.
„Der Iesuitenkamps in Oesterreich und Deutschland." )
Wir sind in der Lage, Jemand vertheidigen zu müssen, der in unserem eigenen Blatte angegriffen wurde, und in unserer heutigen Nummer gegen unsere letzte zu Felde zu ziehen. — Wir haben nämlich das Buch des Dr. Schuselka jetzt selbst gelesen, und es hat bei uns ein ganz entgegengesetztes Urtheil hervorgerufen, als das verdammende, welches ihm im vorigen Hefte (siehe den Artikel „Jesuiten" von Gustav Julius) zu Theil wurde. Zwar verstehen und ehren wir den schönen Zorn, der Herrn Julius bei Abfassung seiner Polemik beherrschte, denn — wir begreifen ihn. Wer gegenwartig an den Schaufenstern der Leipziger Buchladen vorübergeht und die Hunderte von Brochüren und Traktatlein ausgestellt sieht, von allen Farben und Größen, die sämmtlich von Jesuiten und Römlingcn, von Alt- und Neukatholicismus handeln, wird unwillkürlich an die Weihnachtszeit erinnert, wo die Fenster der Conditoreien und Pfefferküchler gefüllt sind mit Männlein und Fratzengesichtcrn aus brauner Choco- lade, aus gelbem Teig und glitzerndem Auckeraufguß. — Die religiöse Frage feiert jetzt wieder einmal ihre Weihnachten, und da es nicht Jedermann gegeben ist, einen Christbaum mit echten HMcuchtenden Lichtern anzünden zu können, die Menge aber befriedigt sein will mit Spielzeug und Gaumenkitzel, so bringen die buchhändlerischcn Con- fettieri allerlei Naschwerk, von welchem die Fabrikanten, die es über Nacht erzeugen, Tags zuvor den Stoss noch nicht kannten, woraus es gemacht werden muß. Dieses Fabrikwesen aber ist für Jedermann empörend, dem die Wissenschaft höher steht als die Leidenschaft, und der die geschichtliche Wahrheit nicht entstellt sehen will, selbst im Kampfe gegen einen verhaßten Feind. In diesem Sinne haben wir den im vorigen Hefte mitgetheilten Artikel des Herrn Julius aufgefaßt. Der
*) Der Iesuitenkampf in Oesterreich und Deutschland. Bon Franz Schuselka. Leipzig, Wcidmann'sche Buchhandlung 1845.