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Wanderungen durch München : aus den Maitagen 1844.
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Wanderungen durch München

Aus den Maitagen 1844. Von einer Süddeutschen.

Mit dem Erscheinen des Helden von Deutschland rauschte gleich­sam der Vorhang auf vor dem Drama dieser Festtage. Bei der Ankunft des Erzherzogs Karl, welcher seinen Sohn der Braut zu­führte, soll die erste Begrüßung des jungen Paares gar herzlich gewesen sein. Den folgenden Abend großer Zapfenstreich. Gegen­über dem Postgebäude (weiland Palais der Grafen Dvring mit Nenaissancefa?ade, charakteristisch genug für unsre Zeit, die aus Pa­lästen Expeditionen macht) sah ich herunter auf die dunkclflutcnden Köpfe. Es schwoll von Minute zu Minute, wie bei einer Ueber- schwemmung. Nur einige Fenster der Residenz waren erleuchtet, an denen kleine schwarze Gestalten auf und ab liefen, wie bei einem chinesischen Schattenspiele.

Langsam nahte der Zug von vier Regimentern, uns Anfangs nur durch den Widerschein bemerkbar. Zuerst wurde der erwähme Schloßflügel geröthet, wie beim Sonnenniedergange. Dann goß sich die Verklärung auch über das Standbild vom König Mar in der Mitte des Platzes. ES ist ja auch wohl ein Fest des Sonnen­untergangs. Die Geschichte macht es dazu, wie das Alter des kai­serlichen Helden. Als die militärische Procession herankam, wohl dreihundert Fackeln in den Händen der Unteroffiziere, die Musikchöre, die Krieger alle, da wurde mir's warm im Herzen. Die Flammen im Dunkeln, welche über die Waffen blitzten, mir erschien'S wie ein Leichenzug für die Vorzeit. Drüben am Fenster die kleinen Sil­houetten auf dem Hintergrunde von Licht, als wenn unser Held aus der fernen Vergangenheit geschaut würde.