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Tagebuch.
Seite
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T a g e b u c>,.

i.

Aus Berlin. I.

Maßregeln gegen die Universitäten. — Die Universitäten habe» ihr Loos ver­dient. — Der Fromme und der Samariter. — Lind-Enthusiasmus. — Erklä­rung der Berliner Enthusiasinusse. — Sophie Löwe als Lucretia Borgia.

Sie werden auch von der maskirten Studentcnschlittensahrt gehört haben, welche einige Tage lang Berlin in Athem hielt. Als die jun­gen Leute in buntem Anzug über die Linden jagten, konnte man hie und da ofsiciell lächelnde Gesichter bemerken, welche zu sagen schienen: „Seht, wir geben euch eine anständige akademische Freiheit!" Und unsere Studenten waren glücklich in einem akademischen Freiheitsge­fühl, welches sie als Maske zur Schau tragen durften. Sie haben schließlich auch noch ein Plautinisches Stück in lateinischer Sprache und im alten Costüm aufführen dürfen, aber all' die Freude und all' der Jubel ist ihnen jetzt, noch kurz bevor sie in die Ferien reisen, ver­salzen worden. Sie haben sich diesen Winter doch durchaus still und wohlgezogen betragen, sie haben nicht, wie im vorigen, stürmische, revolutionäre Studentenversammlungen gehalten, aber die hohe Behörde hat trotz dieses akademischen Friedens jene revolutionären Tendenzen noch nicht vergessen. Unser Cultusministerium bestimmt jetzt, daß jeder Docent verpflichtet werde, von Zeit zu Zeit — wie wir hören, alle drei bis vier Wochen — in seinem Colleg ein Examinatorium anzustellen, um sich zu vergewissern, ob lind in wiefern seine Zuhörer ihn verstanden haben, und diejenigen, welche die besten Antworten geben, sollen in jeder Hinsicht bevorzugt und besonders belohnt werden. Wir gestehen offen, daß es kein besseres Mittel gibt, den Universitäten ihren Beruf als Abrichtungsanstalten für den Staatsdienst deutlich zu machen und alle schädlichen, etwa von einer freien Wissenschaft angesteckten Stoffe aus denselben zu vertreiben. Die Universitäten werden durch die Ausführung dieser Maßregel in der öffentlichen Meinung gerade