Confervator Gigner in Angsbnrg.
Aus dem Reisetagebuche einer Süddeutschen.
Das schweigende ernste Augsburg mit seinen stolzen Giebeln wahrt einen Schatz, an dem man meist ahnungslos vorübergeht: das ehemalige Kloster, jetzt Gemäldegalerie, in welchem der Conservator Eigner sein Wesen treibt. Er hat das Genie seines Handwerks —, man darf ihm nur in die gescheidten großen braunen Augen sehen. Das Aufzährende, Thätige gibt sich gleich kund. Alles Hai er auS sich herausgelernt. Sein Geburtsort ist Amberg. Er muß doch in einer besondern Verwandtschaft mit der Kunst stehen, dieser Conservator oder Inspektor, wie sie ihn nennen. Sein Leben mit und unter den alten Bildern hat etwas ganz Eigenthümliches, für mich fast Mystisches. Es ist eine Art Verhältniß, in welchem er sich zu ihnen befindet, eine Liebe zu einander, denn solches Verstehen ist immer Liebe. Wie wunderbar dieser geistige Funken, diese tiefe Sympathie mit dem Ideale, diese ahnungsvolle Treue für die Schönheit, in die Seele eines Kindes gesenkt, das in dunkler kümmerlicher Umgebung, in einem nördlich nüchternen Städtlein geboren, mit dem ganzen Himmel des Morgenlands in der Seele, und von der Wiege an durch geheime Feengabe schon bestimmt war, der Schildknappe so hoher Meister zu sein, welche Jahrhunderte vor ihm lebten! Wie freudig das Genie in seiner Schöpferherrlichkeit! Wie rührend aber, wenn eö einmal, sich selbst unbewußt, ganz Liebe und Demuth, ftlbst- verläugnend kommt, sich nur an fremde Größe zu schmiegen, ihr zu dienen, die aber zuletzt doch immer die eigne bleibt; denn aller Genius