T a g e b u eh.
i.
Aus Kiel.
Allgrecn-Ussing's Antrag, die Kieler Adresse und die Adresse der holsteinischen Stände. — Prügelschlacht in Hadcrslcben. — Der große und kleine Krieg zwischen dänischen und deutschen Blätter». — Eisenbahn nach Altona. — Dampfschifffahrt nach Petersburg; ein künftiger deutscher Kriegshafen. — Universitätswirren. — Der Kieler „Umschlag." — Der Ball der Herzogin Wilhelmine und der holsteinische Adel. — Theater. — Kieler Tivoli.
Wenn ich Ihnen so lange Zeit aus unserer Ultima Thule keinen Bericht zukommen ließ, so geschah es nur, weil in der letzten Zeit der Stoff in Schlcswigholstein, das jetzt ein wahres Eldorado für Cor- respondenten geworden ist, sich so in Masse darbot, daß alle deutschen Zeitungen, von der Hamburger Neuen bis herab zur Obcr-Postamts- zeitung, Berichte über Berichte von hier brachten, und ich daher annahm, daß man auch ohne mich von den Details unserer Austande im deutschen Vaterlande »u t-üt gesetzt worden sei. Eben daher wird es auch genug sein, wenn ich jetzt nur ein Resume der Hauptbcge- benheiten zu geben versuche. — Die internationalen Streitigkeiten zwischen den unter demselben Scepter vereinigten deutschen Herzogthümcrn und dem dänischen Königreich, die sich lange Zeit durch oft sehr gehässige Zänkereien über Sprachverhältnisse, Finanzwesen, Militär- und Beamten-Angelegenheiten Luft gemacht, kamen zum offenen Ausbruch durch den bekannten übel berechneten Antrag des Bürgermeisters All- green-Ussing in der Roeskilder Ständeversammlung, wornach die Herzogthümer ihrer durch Jahrhunderte behaupteten Selbständigkeit beraubt, mit dem Königreich zu einer engen Staatseinheit mit derselben Erbfolge verbunden, und alle Discussionen über diese Verhältnisse den Unterthanen verboten werden sollten. Dieser Antrag, der selbst von dem königlichen Commissär in Roeskild, dem Staatsminister Oerstedt eine gewisse zweideutige Unterstützung fand, rief in den Herzogthümern die entschiedenste Entrüstung hervor, die sich nicht weniger in der hei-