Hamburger Skizzen.
i.
Die Feuerwürmcr. — Die Frage der Judencmancipation, die Censur und die Ueberalten. — Salomon Heine und Gerson. — Die Rikolaikirche, Atkinson, Scott und architektonische Polemik. — Die Tonhalle und Groß, der Stifter der Volkslicdertafel. — Hocker's Weinhalle. — Semper's Haus. — Hamburg, vom Eise gesehen. — Stadt- und Thaliatheater. — Die Rachel und Bouffö in Hamburg. — „Er muß auf's Land," eine Variation. —
Bedarf es der Versicherung, daß das neue Hamburg noch nicht ausgewachsen ist? Bekanntlich sind früher wohl Eier künstlich ausgebrütet worden, aber der vom Feuer verletzte äußere und innere Organismus einer Stadt wird durch kein Forcemittel zur gedeihlichen Entwicklung gefördert. — Es ist wahr, wir brechen mehr und mehr aus der Schale und wenn die ewigen Götter keinen Protest gegen unsere Neugeburt einlegen, vollendet die Hebamme Zeit ihr Geschäft ungestört. Doch gehört noch dazu die Last und redliche Arbeit des Einzelnen, wie der Gesammtheit für eine lange Reihe von Jahren. Manches wurde wankend und schwankend im Grundbau unseres StaatswohleS, unseres merkantilischen Flors. An der altbekannten ehrenfesten Solidität Hamburgs nagen Feuerwürmcr. Sie zehren langsam, aber sicher. Sie sind, ist man zum Kampf gegen sie entschlossen, nicht ernstlich zu fürchten, aber auch nicht ganz zu verachten. Zu diesen Feuerwürmem zählt man auch die Besorgnis) der Minderung des Häuserwerthes, die Unsicherheit hypothekarischer Posten, den zweideutigen Glanz der neuen prächtigen Magazine, in deren Spiegelscheiben mir stets all die Sorge, Waghalstgkeit, die SpeculationS- tollheit und der moralische Katzenjammer ihrer Eigenthümer cntge- genblinken. Wie ein Feuerwurm bedünkt mich auch die Frage der Judenemancipation. Die Brandkatastrophe hat die Reform am kräftigsten in Anregung gebracht. Der Schlüssel knarrte einmal an der Thür der Reformen — so ganz ausschließen ließen sich auch die Juden nicht. Man erlaubte ihnen vorläufig, Grundbesitz zu erwerben,