Deutsche Scenen ans dem vorigen Jahrhundert.
Nach italienischen Familicnpapieren von F. Gustav Kühne.
7.
Die Ncbcrraschnilg.
E6 schien für mich an der Zeit, meinen Kopf aus der Schlinge und aus dem Oeil de boeuf meines ruhigen Beobachterpostens zurückzuziehen. Vom Glanz der Lichter geblendet, trat ich ganz im Dunkel den Rückweg an und bedürfte meiner vollen Fassungskraft, die schmale Treppe wieder abwärts und den engen Gang an den Bretterwänden zurück zu finden. Llii v» ^i-u>o, v» simo! mußte hier mein Wahlspruch sein und ich sprach die Worte gedankenlos vor mich hin, während ich mit Hand und Fuß weiter tappte. Fi- lippo! ertönte dicht neben mir italienisch eine weibliche Stimme, Filippo! halt' mich fest, ich stürze! Ich war in diesem Labyrinth für mich selbst eines Ariadnefadens benvthigt, aber ich griff doch zur Hilfe willig mit beiden Händen zu und mit lautem Lachen glitt eine leichtgeschürzte, in Gaze gehüllte Nymphe an meine Brust. Filippo! rief die geheimnißvolle Dame, sie werden sich noch niedermetzeln, die langweiligen dicken Tenfel, die deutschen Barbaren! Was werd' ich da sür eine Pythonissa spielen! --
— Ha! Du die Pythia im Kelch der Lotosblume? — Ich halte das unbedachte Wort laut gesprochen; mit einem Schrei des Entsetzens, sich in der Person geirrt zu haben, entsprang die zweideutige Schöne meinen Händen, riß hastig eine Seitemhür ans und war verschwunden. Ich hatte, indem ich sie noch eine Strecke weit verfolgte, wenigstens einen Vorsprung gewonnen und fand mich
Wrcnzbotc», 1845. I. 51