Kurze Uebersicht der neuesten Erscheinungen der historischen Literatur.
Wir leben in einer Zeit der Vielschreiberei. Wie viel von dem, was im verflossenen Halbjahr die Presse verlassen hat, wird schon im nächsten Decennium der Vergessenheit anheimgefallen sein! Und nach einem Säculum? Welche von den vielen tausend Büchern dieses einen Halbjahres mögen dann wohl noch genannt werden?
Wir haben seit Thun's Trennung von Hinrichs jetzt zwei halbjährige Bücherverzeichnisse. Es ist schwer zu bestimmen, welchem von beiden man den Vorzug geben soll. Beide gewähren durch die vorausgeschickten einzelnen Rubriken einen nützlichen Ueberblick in jede einzelne Wissenschaft. Bleiben wir bei der Rubrik der Geschichte stehen, was gibt eö da für interessante Neuigkeiten?
Das Feld der Geschichte ist auch dieses Mal reich angebaut. Im Betreff der Quantität ist keine Klage möglich, im Betreff der Qualität könnte die Ernte reicher ausgefallen sein. Ausgezeichnete Originalwerke sind dünn emporgesproßt. Das nimmt in sofern kein Wunder, als Quellenstudium mühsam ist und nicht blos Jahre, sondern oft ein Menschenleben zur Vollendung eines tüchtigen historischen Werkes erforderlich ist. Wundern muß man sich aber, wie die sonst so ängstlichen Buchhändler eine Menge historischer Schriften in Verlag nehmen, die Nichts anders als Compilationen sind und selbst sür das Volk kaum ein augenblickliches Interesse haben. Deren haben wir bereits, wie Sand am Meer, und doch häuft sich die Masse mit jeder Woche zum Nachtheil von mühevollen Quellenschriften und Originalwerken unabsehbar an.
An einer Zeitschrist für die Geschichtswissenschaft in großem