Deutsche Scenen ans dem vorigen Jahrhundert.
Nach italienischen Familienpapieren von F. Gustav Kühue.
3.
Der Neichograf.
Der Fürst saß schon bei der Suppe und empfing uns mit einer gravitätischen Schwenkung des Vorlegelöffels. Er hatte seine Jagdkleider mit einem alten Schafpelz vertauscht und gewährte uns in der seltsamen Zipfelmütze, die er von irgend einem Bauern geborgt zu haben schien, den Anblick eines Häuptlings jener nordischen Barbaren, die wir in ein fernes Thule versetzen. Sehr willkommen! sagte er in seiner polternden Vertraulichkeit. Geistliche sind mir immer sehr lieb und werth. — Aus Genf? Soso! aus der Heimath jenes famosen Sonderlings, Jean Jacques Rousseau, der sein Neligionsbekenntniß wie einen alten Rock wechselte. Den einen Rock hielt er sich zum Spazierengehen, den andern zog er Abends ail, wenn er schläfrig wurde. Er machte in Sachen unseres Herrn und Heilands so rasch, wie man die Hand umdreht, den Ueberläufer !
Wir hatten uns kaum gesetzt, als er uns aufforderte, ihm über Rousseau unsere Meinung in die Suppe zu brocken!
— Monscigneur! sagt'ich, halten ihn für keinen ehrlichen Menschen?
— Doch, doch! rief er; aber er war nur ein Genie und von Genieö halt' ich mir am liebsten, um sie studiren zu können, eine Galerie in meinem Tollhause. Ehrlich? Wen der Voltaire hinterlistig mit seinem Geifer beschmutzt, der muß von Hause aus ehrlich sein, und ich wünschte nur, daß der preußische Friedrich, der sich nun