Wiener Briefe
s.
Grillparzer und Griechenland. — Preußen. — Die neuere Wendung östcr- reichischc,.- Politik. — Die Familie Dietrichstein. — Halm und Wolf. — Das Theater und die neuen Stücke. — Die Censur zerstört. — Rank und Schuselka. —
Grillparzer ist wieder zurück. Die Freunde stürmen zu ihm, um Neuigkeiten, Erlebnisse — namentlich aus Griechenland — von ihm zu hören; der stille, schweigsame Dichter müßte die Zunge einer Lcr- chenfelder Wäscherin haben, wollte er auf alle die geschwätzigen Fragen antworten. Und was soll er ihnen erzählen? Es herrscht ein eignes Fatum über dem Haupte dieses Schicksalstragöden. In ^ein ganzes Leben greift eine eigene unsichtbare Macht ein, die es immer anders gestaltet, als er will. Da zog es ihn hin nach dem Lande seiner Träume, nach der Heimath seiner „Sappho" und seiner „Medca." Jahre lang bereitete er sich vor, den Boden zu besuchen, dessen goldenes Zeitalter seine heißesten Studien bildete, endlich ist Alles vorbereitet — er kommt an, um zu schauen, zu forschen, zu genießen; da bricht eine Revolution aus, Alles, was den Namen Deutscher trägt, muß vor dem Bolkshaß flüchten, und der deutsche Dichter muß seine Muttersprache verläugnen und die Denkmäler und Stätten seiner Dichterträume unter der Maske eines Italieners besuchen, stets der Gefahr ausgesetzt, erkannt und von dem Volke, dessen Vorzeit er gesungen, angefallen und mißhandelt zu werden.
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