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Das Schillerfest in Leipzig.
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Das Schillerfest in Leipzig

Leipzig im November.

Gegen sechshundert Personen männlichen und weiblichen Ge­schlechts hatten sich in den Sälen des Hotel de Pologne eingestellt, um die Erinnerung an den großen Dichter zu seiern. Die Stadt Leipzig, die nach der neuesten Zählung ungefähr 50,000 Einwohner hat, wird in ihren Municipalinteressen durch sechözig Stadtverordnete vertreten; in den Culturintercssen ist ihre Vertretung also zehn Mal stärker. Dieses wirft ein schönes Licht aus die Bildungsstufe der Stadt. Man denke hier nicht blos an Buchdrucker und Literaten, von denen Leipzig allerdings einen größeren Vorrath hat, als jede andere deutsche Stadt. Was dem Schillersest seine eigentliche schöne Bedeutung gibt, das ist, daß Männer und Frauen aller Classen daran Theil nehmen und. zwar der genießende unbefangene Theil in weit größerem und wärmerem Maße, alö die eigentlichen Fach- Menschen.

Die poetische Seite solcher Feste ist oft genug beleuchtet worden. Wir erlaubeil uns hier daher nur einige Bemerkungen anderer Art. Es ist leicht erklärlich, warum in Deutschland literarisch-artistische Feiertage mehr Theilnahme und Popularität erringen, als politische- Guttenberg-, Schiller- und Mozart-Feste haben bei uns eine tiefer greifende, in allen Classen gleichmäßigere Theilnahme, als rein po­litische. Wollte man in England und in Frankreich eine Shak- speare-, eine Racine-Feier veranstalten, so würde sicherlich nur cme kleine Fraction der dortigen Gesellschaft ein lebhafteres Interesse daran nehmen, während politische Meetings, denen ein Stanley oder em Lamartine präsidirt, die ganze Nation in Aufregung zu bringen un Stande sind. In jenen glücklichen Ländern, in welchen eine Puls-