Schilderungen aus Belgien
v.
Flandern und Brügge,
Die Geschichte der Welt ist sich selbst gleich, wie die Gesetze der Natur, und einfach, wie die Seele des Menschen. Dieselben Bedingungen bringen dieselben Erscheinungen zurück. Schiller.
Was die Lombarder für Italien, das war Flandern im Mittelalter für Deutschland, das ist es noch bis auf den heutigen Tag für Belgien. Der liebe Gott ist kein Nachdruckcr; aber wenn man die beiden Flandern mit dem Lombardisch-Venezianischen vergleicht, so kommt man in nicht geringe Versuchung zu glauben, daß da oben im siebenten Himmel irgend ein Meline oder ein Hauma» das große Prachtwerk „Italien" nachgedruckt und in einer Taschenausgabe unter dem Titel Flandern herausgegeben hat. Man muß, um gerecht zu sein, den belgischen Nachdruckern zugestehen, daß sie ihr Geschäft mit einem gewissen Anstand treiben und durchaus nicht so knauserig als einst ihre Löschpapiercollegen in Deutschland sind; schöne Lettern, glänzender Druck, zierliches Velin machen, daß die belgischen Nachdrücke nur um Weniges den französischen Originalen nachstehen, und man muß es auch dem lieben Gott zur Ehre nach' sagen, als er Italien in Flandern nachdruckte, hat er Nichts gespart, um es reich auszustatten. ES ist wahr, er hat die Orangen und die Datteln und die Feigen und den weißen Reis und den süße" Wein und die feurigen Weiber nicht mit abgedruckt; aber die blaue, klare Luft, den fetten Boden, die vielen altergrauen Städte, den aufrührerischen 'Geist der alten Republiken, die großen unsterbliche"
') Siehe Grenzboten. Hcft 37.