T a g e b u ch.
l.
Herr von Haber.
Spindlcr wohnte den Sommer über in Baden; er war wohl dort, um Studien zu einer Fortsetzung seines bekannten Romans der Jude zu machen. Wahrlich, die Freunde der romantischen Poesie finden in diesem schönen Baden volle Ernte. Das Mittelalter blüht dort in so allerliebster Finsterniß wieder aus, wie in den menschlichsten Zeiten der Flagellanten, der Herenpro- zcsse und der Judenmassacres- Spielleute und edle Ritter von allerlei Caliber, Aweikä'mpfe, Volksaufläufc gegen die Juden. ?iat l.nx! Jammerschade, daß, als man das Haus des Herrn von Haber stürmte, die Casse, nach welcher der edle Pöbel in Carlsruhe seine christlichen Hände ausstreckte, schon mit Soldaten besetzt war. Das hebräische Geld ist im „christlichen Staate" von jeher ein guter Leckerbissen gewesen und eine so prächtige Gelegenheit findet das Carlsruher Christenthum sobald nicht wieder, ein paar Mal Hunderttausend jüdische Gulden zu plündern — um sie zu taufen. Sprechen wir es aufrichtig aus: Die traurige Episode in Carlsruhe ist ein Schandfleck! — Man bedachte die Sache nur mit einiger Unparteilichkeit. Der Chef eines großen deutsche,, Handlungshauses, ein Mann, dem seine Verhältnisse, so wie seine persönlichen Eigenschaften alle Rechte auf die Gesellschaft geben, wird durch den Ucbermuth eines händellustigcn Lieutenants auf das Tödtlichstc beleidigt. Der Offizier ist bekannt als der beste Schütze, jeder seiner Schüsse trifft die Scheibe. Aber der Beleidigte will eher fallen, als die Demüthigung auf sich lasten lassen. Er thut, was trotz aller Duellgcsctze jeder Mann von Ehre thun muß; er fordert den Beleidiger. Ein deutscher Fürst und ein russischer Offizier halten seine Sache für so gerecht und ehrenhaft, daß sie selbst zu seinen