Contribution 
Studien aus der Gesellschaft.
Page
1035
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

^StN^D^

^

H

^!^^ZM(Z.^/

TV

Studien ans der Gesellschaft

Von A. W e i l l.

I.

Die Schule und das Leben.

Man ist bei körperlichen Krankheiten zur Wahrheit gelangt, daß die Ursache eines Uebels selten blos local ist, und daß sie mei- stentheils einer innern Zerrüttung ihr Dasein verdankt, wenn nicht ganz handgreifliche Gcgengründe da sind. Langjährige Erfahrungen haben gelehrt, daß wenn man auch das Uebel an einem Platze blos äußerlich heilt, es bald wieder an einem andern ausbricht. Treibt man die falsche Cur zu weit, so geschieht es nicht selten, daß das Uebel sich auf das Herz schlägt, worauf der Tod erfolgt. Bei dem moralischen Körper einer Gesellschaft oder eines Staates hat es aber die Wissenschaft noch nicht so weit gebracht. Unsere ofsiciellen Aerzte betrachten alle diese krankhaften Ausbrüche als ein blos locales Ue­bel. Auf die Hauptursache gehen sie nicht ein. Und sei auch der Krankheitsstoff noch so sehr an der LebcnSwurzel eines Staates sicht­bar, das geht sie Nichts an. Sie wählen sich unter der menschlichen Misere ein oder zwei Kapitel und behandeln sie, wie etwa ein Zahnarzt das Gebiß, oder ein Hühneraugenarzt die Leichdorne, obschon der ganze Mund krank, obschon hier vielleicht das ganze Bein faul ist. So haben sie bis jetzt auch die Schule und die Erziehungsanstalten behandelt. Sie wollen Bürger erziehen für unser Staatsleben. Nun aber hat sich die Schule hie und da aus die Philosophie gestützt. Mit dieser ist das Leben unsrer Gesellschaft in beständigem Wider^ spruch. Dies fiel ihnen freilich auf. Waö thaten sie? Sie unter-

118