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Tagebuch.
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1030
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T a g e b u ch.

i.

Aus Berlin.

Seit meinem letzten Briefe: welch ein Gewühl von Ereignissen im Spree- Athen! Während wir auf Commando das tausendjährige Bestehen Deutsch­lands feierten, erhielten wir vom Kaiser aller Rcufien zwei Pserdebändigcr zum Präsent, eine Belohnung für unsre germanischen Bestrebungen. Während der Donner der Kanonen auf dem Lustgarten, der weder Garten ist, noch uns Lust gewährt, das Wiegenfest der alten Germania besang, saßen wir mäuschen­still im Dome und hörten, wie Mcndelssohn-Bartholdy Musik und Lieder ohne Worte darauf machte, um, was Kanonen nicht können, Harmonie in die Sache zu bringen. Ich weiß nicht, ob die Feier auch mit Versen besungen wurde; vielleicht blieb sie ungereimt.

Die politischen Blätter haben die Ereignisse frisch weg, wie warme Sem­meln gebracht. Ich kann mich begnügen, Nachlese zu halten. Eine gewissen­hafte Kritik der Berichte ist eben so unmöglich, wie eine ehrliche Kritik der Thatsachen. Man hat sich große Mühe gegeben, ein compctentes, wissenschaft­liches und unabhängiges Ccnsurgericht zusammenzusetzen, und nebenbei belegt die Polizei ein in Charlottenburg gedrucktes Buch von einem der Gebrüder Bauer mit Beschlag. Wie will sich das reimen?

Ueber Döring's Spiel haben alle Blätter hier ausführlich gesprochen. Ich könnte mich auch hier aufgeregt fühlen, die Kritik zu kritisircn. Der alte Polonius Gubitz in der sonst gescheuten Besuchen Zeitung hat bei Veranlassung seiner Aufsätze, die übrigens dem trefflichen Mimen Gerechtigkeit widerfahren ließen, über Fräulein Charlotte von Hagn wieder einen wcrthvollen Satz zu- samm-ngedrcchselt, den ich mir aufbewahrt habe, um ihn demnächst in Spiri-