T a g e b u eh.
Notizen.
Ueber den bekannte» UkaS, der so vielen Preußen sibirische Aussichten eröffnet, werden wir von allen offiziellen Blättern getröstet. Die preußische Regierung, hieß es zuerst, hat „Anträge" gemacht, später ernstliche Verwendung eintreten lasse»; endlich wurde das Gesetz commcncirt, wie es die Eosa- kcn und auch die russischen Beamten schwerlich commentircn. Geben wir auch zu, daß die Gefahr für einzelne Personen geringer ist, als man fürchtet, so ist damit die „Beschimpfung unserer Nationalehre," wie sich die Königsberger Zeitung richtig ausdrückte, noch lange nicht gut gemacht. — Der König von Preußen hat unlängst ein Geschenk von zwei Erzstatuen, Pserdebändigcr, vom Kaiser Nicolaus erhalten und angenommen. — Ein deutscher Erbprinz heirathct wieder nach Petersburg. Es ist zu bemerken, daß jeder deutsche Prinz, männlich oder weiblich, katholisch oder protestantisch, der eine russische Partie macht, auch zur russisch-griechischen Kirche übergehen muß, und daß alle Kinder aus solcher Ehe russisch-griechisch erzogen werden müssen; während man, umgekehrt, Beispiele von russischen Prinzessinnen hat, die seit Jahren an deutschen Hosen verhcirathct sind und ihre griechischen Kapellen und Popen haben. Der einzige Vortheil, der aus dieser „Gegenseitigkeit" erwachsen dürfte, wäre etwa der, daß, wenn einst deutsche Wirren entstehen, der russische Beistand uns sicher ist. Ich möchte fragen: Wo sind die Beförderer des Pcmslavismus in Deutschland? —
--Wo man Volksfeste par Cabinetsordre feiert, da wundert es uns
nicht, wenn Leipziger Gastwirthe eine Feier von Napoleons Geburtstag! öffentlich anzukündigen wage». Das ist hier geschehen. Hat sich das Volk Etwas bei der Feier des Verduncr Vertrags gedacht? Mit derselben Gedankenlosigkeit würde cS den Geburtstag Pipin's des Kurzen, oder Alexanders des