Gin neuer Dramatiker.
Die Idee der Ocffentlichkeit und Mündlichkeit erhält mit jeden« Tage mehr Anhänger, sogar die Wissenschaft und die schöne Literatur geben das geheime Verfahren auf. Die gelehrte Welt verläßt, Gott sei Dank, allmälig ihren bureaukratischcn Schlendrian. Die pedantische Vornehmheit, mit welcher sie früher nur vom Schreibtische aus mit dem Publikum — nein, nicht mit dem Publikum, sondern nur mit den obern und untern Instanzen, die ihren amtlichen Jargon verstehen, d. h. mit den Litcraturblättern und kritischen Jahrbüchern verhandelte, — verliert sich mit jedem Tage immer mehr und mehr; populaire Vorlesungen werden in allen Zweigen der Wissenschaft veranstaltet, Laien und Dilettanten ist der Zutritt, das Verständniß geöffnet, der Gelehrte will mündlich und öffentlich zum Publikum sprechen. Und nun erst die schöne Literatur. Die Zimperlichkeit, die romantische Heimlichkeit, mit denen unsere Poeten so lange Zeit sich umgaben, und wie ein blödes Landmädchen vor jedem Contact mit dem Publikum zitterten, war Schuld an vielen Mißgeburten und Ueberspannt- heiten. Der Dichter muß im Volke stehen und mit dem Volke leben wie Aristophaneö, wie Shakspeare, wie Beranger. Unsere Literatur würde eine ganz andere Wirkung auf die Nation ausüben können, wenn Dichter und Volk nur erst häufiger und persönlicher mit einander verkehrten. Diese Menschenscheu, dieser Hang zur Einsamkeit, wodurch unsere Nomcmdichter z. B. immer nur ihre Welt, aber nicht die Welt da draußen schildern, beginnt sich zu verlieren. Die deutschen Schriftsteller bekommen den Muth, ihrem Publikum in'ö Auge zu sehen und vor einem kleinen Stoß sich nicht zu fürchten. Zu keiner Zeit drängte sich unsere Literatur so dem Drama zu wie jetzt. Man will mündlich und öffentlich von seinein Publikum sich gerichtet sehen. Nicht daß man in früherer Zeit etwa weniger Dramen ge-
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