Pariser Theaterlebe«
^ Aus Paris.
Als gründlicher Deutscher, der mit dem Ei beginnt, ehe er von der Henne spricht, und mit der Henne, ehe er zur Suppe kommt, und von der Suppe erst zum eigentlichen Brei übergeht, gedenke ich, bevor ich Ihnen die hiesige Schauspiclerwelt und Alles, waS dran und drum hängt an Recensenten, Liebhabern, Verehrern und Lampenputzern, schildere, erst mit dein Ei, d. h. mit den Dichtern zu beginnen. Der Dichter ist im Grunde in Paris, wie in aller Welt; waS das französische Theater von dem deutschen unterscheidet, daS sind die Dichter. Daß man hier Stücke macht, wie man in kleinen Städten ein Picknick veranstaltet, wo der Eine eine Hammelkeule herbeischafft, der Andere einen Schinken, der Dritte einen Gugelhupf, der Vierte den Wein, der Fünfte das Dessert, — der Eine die Scenerie, der Andere die Couplets, der Dritte den Actschluß, der Vierte die Knalleffecte fabricirt, — das ist in Deutschland noch etwas Beispielloses. ES wurde vor Kurzem in diesen Blättern von Scribe gesprochen und in der Charakteristik desselben ist im Grunde die Charakteristik aller Pariser Lustspieldichter gegeben. Ob der Eine oder der Andere ctwaö mehr oder weniger Talent hat, etwas mehr oder weniger produktiv, etwas mehr oder weniger geldsüchtig ist, — das thut Nichts zur Sache. Aber waS Sie bei Scribe ganz zu erwähnen vergessen haben, das sind seine Fabrik-Anstalten, die Manipulationen, durch welche zehn Hände an ein und demselben Stücke hämmern, lochen und Poliren. Auch hierin ist Scribe der Altmeister der neue- ren französischen Theater-, oder richtiger gesagt, Vaudcville-Schule.
Man muß jedoch Scribe die Gerechtigkeit wiederfahrcn lassen, daß er es sich nicht so leicht macht, wie andere seiner Gewerbsgc nossen. Seine Herrschaft im Gebiete des Vaudeville ist keine Sine-