Beitrag 
Französische Poeten. I. : Lamartine.
Seite
692
Einzelbild herunterladen
 

Französische Poeten.*)

i.

Lamartine.

Wir wissen in der neuern Geschichte kein Beispiel eines Dich­ters aufzufuhren, dem ein so glückliches Loos zu Theil wurde, als Alphonö de Lamartine. Es hat vielleicht Dichter gegeben, deren äußere Schicksale und Lebensverhältnisse noch glänzender waren, als die des Deputirten von MKcon; es hat sicher Dichter gegeben, deren Werke hundertmal mehr auf ihre Nation wirkten, alS die des Ver­fassers des Jocelyn; keinem von allen diesen aber war eS vergönnt, wie Lamartine, seine dichterischen Intuitionen auf der Rednerbühne einer der größten Nationen der Welt zu entwickeln, die Poesie den Staatsprincipien seines Volkes unterzulegen und, trotz der Anklagen des Träumerischen, Unausführbaren, die man den Poeten gewöhnlich entgegenstellt, für diese poetische Staatswcisheit einen großen, mäch­tigen Theil seiner Nation zu gewinnen. Es hat an Staatsmän­nern nicht gefehlt, die Poeten waren; diese haben in den stillen Räu­men ihrer Studirstube oder in den einsamen Genüssen der Natur sich den Umarmungen der Muse überlassen; aber wenn sie aus dieser Einsamkeit heraustraten in das Gewühl der Politik, in das prakti­sche Leben der Staatsgeschäfte, ließen sie die Muse daheim, als schämten sie sich dieser stillen Genüsse oder als wollten sie ihr stilles Glück, das heiligste Gefühl ihres Herzens, nicht den Blicken der Menge bloSgeben. Die Poesie dieser Männer war ihnen blos an der linken Hand angetraut, freilich ist daö Herz auf der linken

") Als Fortsetzung derFranzosen und ihre Berühmtheiten, eine Reihe von Porteaitö" in K». 7, S, t! und 13 des ersten Semester« 194?