Der Pansiavismns und Polen/)
Ein Sendschreiben an Die Redaction der Grcnzboten
von
Joachim Lclewel.
Tic wünschen von mir zu wissen, verehrter Herr, welches die Ansichten der polnischen Emigration über die Frage des Panslavis- mus sind. Die Sache ist uns Flüchtlingen nichts weniger, als gleich- giltig; im Gegentheil nimmt sie unsre Aufmerksamkeit oft in Anspruch, und so oft wir uns damit beschäftigen, betrachten wir sie als mit der Zukunft Polens im innigsten Zusammenhange stehend. Aber, was ich Ihnen nicht verhehle, ist, daß unsere Emigration, trotz der Gefühle einer brüderlichen Sympathie, welche sie für diese Bestrebungen des Slavcnthums empfindet, sich eines schmerzhaften, peinlichen Mißtrauens nicht erwehren kann. Denn wir kennen die geheimen Versuche des Czarenthumö und wissen, daß sie leider nicht ganz ohne Erfolg geblieben sind.
*) Anmerk. d. Red. Der Panslavismus ist eine der wichtigsten Fragen der europäischen Zukunft, bei der Deutschland wohl am Nächsten betheiligt ist. Gegen den Antheil, den Rußland an den panslavischen Bewegungen hat, gegen die feinen und groben Fäden, welche es in der Mitte jener slavischen Völkerschaften spinnt, welche theils zum deutschen Bunde gehören, theils unter dem Scepter der beiden Großmächte Deutschlands stehen, kann wohl Niemand mehr blind sein. Im Grunde hat man von diesen Intriguen wenig zu fürchten. Welche Rcgierungssormcn auch in diesen, unter deutschem Scepter stehenden Landen herrschen mögen, immer wird man sich gestehen müssen, daß sie, den moscovitischm Regierungsprincipicn gegenüber, alle Vortheile der Civilisation, der Gesetzgebung und einer höher» persönlichen Freiheit voraus haben. Allein,
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