Aus Stuttgart
Im Mai.
Jahreszeiten. — Dic Verbindung mit Ccmstatt. — Ocssentlichkeit und Mündlichkcit. — Klagen gegen Baden. — Dic Mission d-S Herrn vvn Hcrdcgcn. — Geselligkeit. — Liter-irische Industrie. — Reisende Poeten. — Mustk. — Theater. —
Wir möchten jedem Reisenden, der unser schönes Land zu durchstreifen wünscht, den Rath ertheilen, es in diesem Monat zu thun. Den Rhein und seine Nebenufer muß man im Spätsommer besuchen, daö obstreiche Schwaben hat im Frühling seine Prachtzett. Welch ein erquickender Anblick, wenn das Auge Hinstreist über unabsehbare Obstwälder, deren Bäume dicht bedeckt sind mit einem duftenden Blüthenschnee, unter dem das frische Grün wogt und lacht. Frühling und Herbst sind, vorzugsweise hier zu Lande dic genußreichsten Jahreszeiten, denn im Hochsommer brütet die Sonne, namentlich im Stuttgarter Thalkessel, eine tropische Hitze aus, in der zwar allerlei seltene Pflanzen und Gesträuche vortrefflich, die Menschen aber schlecht gedeihen, oder doch ihr leibliches Wohlbehagen merklich verkümmert wird. Es hat allen Anschein, daß unsre Bäder dies Jahr sehr besucht werden, da viele Bestellungen gemacht sind; bereits sind Badegäste eingetroffen in dem nahen Canstadt, nach dem Stuttgart polypenartig die Arme ausstreckt in seiner verlängerten Neckarstraße und in Neubauten vor dem Königsthor. Wenn die Richtung unserer Zeit fortdauert, in Folge welcher die Einwohnerzahl und die Neubauten in den Hauptstädten sich immer mehren, so wird voraussichtlich Stuttgart mit Berg und Canstadt verbunden werden, welche Verbindung besonders durch Anlage der Eisenbahn beschleunigt werden muß. Canstadt und Berg heben sich immer mehr, werden immer stärker von Franzosen, Engländern und Schweizern besucht; eS