Die Industrie und das weibliche Geschlecht
Was wir hier besprechen wollen, ist eben nicht sehr literarisch; aber menschlich ist es und nothwendig. Oft genug ist über die Stellung der Frauen zur Gesellschaft phantasirt worden. Sind doch sogar füns deutsche Schriftsteller wegen ihrer mehr komischen als idealen Begriffe von Frauenemancipation durch ein halbes Dutzend Jahre ercommunicirt gewesen.
Und doch wagen wir es, auf den Gegenstand wieder zurückzukommen und auszurufen : Mitleid für die Weiber! Reform ihrer Stellung!
Seid ganz unbesorgt, Ihr wackern Eheherrn , zärtliche Väter, beruhigt Euch. Wir wollen Eure Frauen und Töchter nicht verderben oder verlocken, wir wollen leine Theorien von dem freien Weibe aufstellen, sondern wir wollen nur von den Gefesselten, von den Sclavinnen sprechen, die in Fabriken und industriellen Werkstätten sich längst emancipirt haben und doch die unglücklichsten, elendsten aller menschlichen Geschöpfe sind. Darum wollen wir in tiefer Demuth die idealen Seiten dieser Frage den poetischen Verfassern der Laelia, der Wally und des jungen Europa überlassen und nur bescheiden im Staube der Praxis unsere Betrachtungen anstellen.
Wir glauben, diese sind nicht außer der Zeit. Deutschland ist unter allen Industrieländern das jüngste. Den großen Lastern und Krebsschäden, welche in England und Frankreich im Gefolge der Industrie eingezogen sind, kann vielleicht bet uns, wo dieselbe erst im Aufblühen ist, durch vernünftige Maßregeln vorgebeugt werden. Man hat bei uns zwar, wie in Frankreich und England, Gesetze, welche die Verwendung der Kinder in den Fabriken und Werkstätten begrenzen, aber es gibt noch eine Classe Menschen, die vielleicht ein