Münchens Mnnst nnd Künstler.
Zwölf Briefe
von
S»r. Heinrich Merz.
Eilftcr Brief.
Die gvthische Kirche in der Auvorstadt. — D-r byzantinische Styl u»° seine VedcutnnA in unsrer Zeit. — Die Allerheiligcn-Hofkapcllc. — Die LndwigSkirche. — Mittel- altcrlich-italienischer Styl. — Da-j Bcnedietinerklvstcr. — Basilika nach dein Vvr- liildc des S. und «!, Jahrhunderts.
Wie soll man heutzutage bauen? Das ist leichter und schneller gefragt als beantwortet. Aber wenn Sie vielleicht zunächst sehen wollen, wie man nicht bauen soll, so begleiten Sie mich. Ich gehe in wenig Tagen von München ab und will zum Lebewohl mir noch einmal die Stätten betrachten, an denen ich mir so viel Genuß und Entbehrung, so viel Freude und Leid, so viel Bewunderung und Aerger in den Tagen meines Hierseins geholt habe.
An der elliptisch-runden protestantischen Kirche gehen wir vorüber, denn diese ist wahrhaftig in keinem Styl gebaut und wenn in einem, so in dem Theaterstyl, den unsere heutigen protestantischen Kirchenbaumeister so herrlich verstehen. Das gothische Kirch- lein in der Vorstadt Au, so fremd und neu es sich hinstellt in unsere kirchlich altgewordene Zeit, bleibt doch der schönste Kirchenbau in aller neuern Zeit. Man mag an ihm vermissen, was man will und muß, es ist doch etwas unserem kirchlichen Bewußtsein Entsprechendes und läßt doch den Geist alter, christlich-deutscher Andacht über uns kommen und beweist, daß die gothische Form die einzige fromme, kirchliche ist. Es ist das Product der kirchliche» Frömmigkeit und Andacht selber, es ist das Werk einer religiöse» Hingebung und Aufopferung, wie sie nicht großer denkbar ist. Der Protestantismus hat eine größere Hingebung in der Theorie, im