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Ein literarisches Charakterbild.
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^er Zufall führte uns vor Kurzem das Verzeichniß aller Stücke in die Hände, welche eine der berühmtesten deutschen Hofbühnen im Laufe eines ganzen Jahres gegeben hatte. Nach einer kurzen Berechnung ersahen wir daraus, daß, eins in's andre gerechnet, unter acht Theaterabenden Einer Scribe gewidmet war. — Die Jrländer stehen im Begriffe, zu revoltiren, weil sie, abgesehen von andern ungerechten Bedrückungen, den Zehnten an eine Geistlichkeit zahlen müssen, die nicht der nationalen Kirche angehört; wir Deutschen zahlen mehr als den Zehnten unserer Abendstunden an einen einzigen Dichter des Auslands; den Tribut, den wir an die übrige franzosische Theaterdichterschaft bezahlen, gar nicht eingerechnet. — Der Grund, warum wir uns in Deutschland über einen solchen Zustand der Dinge keineswegs empören, sondern im Gegentheil mit recht leichtem Herzen Sparpfennige und Zeit den Fremden hingeben, ist leider kein Geheimniß. Unsere dramatische Geistlichkeit ist so sparsam gesäet, daß sie für das Bedürfniß der Nation nicht ausreicht. Es fehlt uns zwar nicht an ernsten Priestern, die uns in schönen Jamben die Thränen in die Augen pumpen; aber an Abraham a Sancta Clara's, d. h. an närrischen Käuzen, an lustigen Sittenpredigern, die lachend die Wahrheit sagen, haben wir eine erschreckliche Noth. Es sind jetzt fünf und dreißig Jahre her, da rief Jean Paul Richter aus: „Ach! gab' es in Deutschland nur so viele gute Komödien, als gute Komödienspieler, und gab' es wieder so viele gute Tragödienspieler als Tragödien." — Seitdem hat sich in Deutschland viel geändert, wir haben den Napoleon zum Lande hinausgeworfen und den Bundestag erfunden; wir haben das
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