T a g e b u ch.
i.
Plauderei«!» aus Paris.
Als ich gestern Abend aus den Arkade» der Nue Rivoli trat, sah ich an der Ecke, wo der kleine englische Restaurant sich befindet, einen alten Herrn an der Seite eines schlanken, hübschen jungen Mannes gehen; ein Wagen fuhr hinter Beiden her- Da die Leute stehen blieben und grüßten, so faßte ich die zwei Herren näher ins Auge — ich hatte ihre Portraits oft genug gesehen, um mich nach ihren Namen nicht erst erkundigen zu müssen: es war der König und der Herzog von Nemours. Fast jedes deutsche Blatt und Blattchen hat jetzt seinen Corresponbcnten in Paris und doch wird das deutsche Publikum durch lügenhafte Schilderungen betrogen. Erst vor wenigen Wochen lasen wir hier in der Kölnischen Zeitung einen Korrespondenz-Artikel aus Paris, worin der Wagen, in welchem allein der König sich auf die Straße wagt, als eine Festung, als eine Art Ehrenbrcitstein geschildert wurde. Der herzensgute mitleidige Korrespondent bedauerte den armen König der Franzosen gerade in dem Tone, wie man einen deutschen Flüchtling, der hier zu I Franken die Stunde Privatunterricht gibt, bedauern muß. Indessen können wir die deutschen Leser getrost versichern, daß es trotz Fieschi, Alibaud, Darmc-s -c. immer noch angenehmer ist, König der Franzosen zu sein, als deutscher Sprachmeister. Der König machte in letzterer Zeit häusige Spaziergänge durch die Stadt und zwar nicht in dem strengen Jncognito einer Maske, die sich fürchtet, erkannt zu werden, sondern in der Ruhe und Sicherheit eines Privatmannes, der wohl weiß, daß ihn Viele kennen und der links und rechts freundlich grüßt. Wie wenig politische Aufregung, ja sogar wie wenig politisches Interesse in diesem Augenblicke hier herrscht, ist an den heißen Kämpfen ab-