Gin Brief ans Weimar.
Äutzkvw's weisjcS Blatt. — Vcnedir: Doctvr Wcöpc. — Lcdcrcr und Gcrlc'S Eompagnic- Stück. - Kunz «vir der Rose von Freitag. — Die Operette „die Flucht" von Plolz und Stör. — Vcrlioz, Bazzini, Suzor und das Airtuoscnthum. — Alcran- der von Humboldt. — Seine Vorliebe für die französische Sprache. — Parallele zwischen Humboldt und Fürst Pücklcr.
Unsere Bühne hat in den letzten Monaten mehrere interessante Neuigkeiten gebracht, von denen man Halm'S „Sohn der Wildniß" und Gntzkow'6 „weißes Blatt" an die Spitze stellen muß. Den meisten Dramen unserer jüngeren Dichter fehlt die bewegende Leidenschaft und so die im inneren Wesen ihrer Dichtung begründete Handlung. Viel Lärmen und Spektakel auf der Bühne, viel Auf- und Abgang macht aber noch keine Handlung; diese kann sich ohne viel Aeußerlichkeit aus dem inneren Seelenleben der vorgeführten Charaktere entwickeln und so eine ergreifende dramatische Wirkung äußern. Das ist der Fall mit dem Guhkow'schen Stücke „Ein weißes Blatt", in welchem der Conflict der Liebe mit dem gewöhnlichen Leben, der Poesie mit der Prosa, in bewegter reicher Handlung vorgeführt und zu einem glücklichen, beruhigenden Ende geleitet wird, ohne daß ein großer Aufwand materieller Mittel dabei zu sehen wäre. Unwahrscheinlichkelten sind dem „weißen Blatte" vorgeworfen worden, und gerade diese sogenannten Unwahrscheinlichkciten sind mir als schöne Wahrheiten, durch die Natur der Liebe motivirt und in ihr tiefbegründet, erschienen. Ich erlaube mir hier noch das nicht uninteressante Urtheil eines Freundes mitzutheilen, der, durch und durch poetischer Natur, in der Gesellschaft wie in der Literatur einen nicht unbedeutenden Rang einnimmt:
„Das weiße Blatt ist eine der schönsten dramatischen Ueber- raschungen — wenn man dem bürgerlichen Drama die Nüchternheit einer zu treulichen Wirklichkeit vorwirst, kann man nur mit Bewunderung ein Werk begrüßen, welches einen so echten poetischen Kern einschließt, daß es als eine Selbstbeschränkung des Dichters erscheint, cs in dieses Gebiet versetzt zu haben, und wohl möchte es zu einer