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Die Aesthetik der Augsburger Allg. Zeitung.
Seite
512
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Die Aesthetik der Augsbnrger Allg. Zeitung/)

— Aus Berlin.

Die Frage nach der Möglichkeit der Poesie ist, im All­gemeinen genommen, lächerlich. Die Poesie ist da, sobald Dichter geboren sind. Diese können geboren werden, sowohl in Verhält­nissen, die vorher die Poesie begünstigten, als in solchen, welche ihr feindlich sind. Der Genius beherrscht die Zeit, die seiner bedarf, aber ihn nicht erzeugt; er wandelt sie um, reißt sie aus dem Bann, aus dem dürren Getriebe der Nützlichkeit und Gewohnheit, und braucht dazu kein anderes Werkzeug, als seine eigene Kraft. Seine Möglichkeit und Natur ist aus ihm selbst zu verstehen, nicht von da auö, wo er nicht verweilt, nicht von der Alltäglichkeit aus, mit der er in keiner Verwandtschaft sieht. Eine Erscheinung wie Byron war in England schwerlich aus der damaligen Zeitlage zu vermuthen, so wenig wie in Deutschland die des großen Friedrich, das Genie setzt immer einen Anfang; es überrascht oft die Zeit in ihrer Lang­weiligkeit oder läßt die schmachtende harren. Darum führt es zu Nichts, die Geburt des Propheten voraus zu bezweifeln oder anzu­sagen. Wie leicht täuscht sich der behutsamste Forscher um ein paar Jahrzehnte oder Jahrhunderte! Da man jetzt so viel nach den Dichtern sragt, so darf man wohl auch die Frage auswerfen, ob in unserer Zeit ein großer König möglich, ob ein mächtiger Denker zu vertragen, ob zu einem Eroberer Wahrscheinlichkeit vorhanden sei? Der Witz braucht dergleichen Probleme, ihm ist es ein Leich­tes, drei Lösungen für eine zu geben.

Als Entgegnung auf den Artikel „Ueber die Möglichkeit der Poesie" i» den Beilagen zu Nr. 98 u. 99 der diesjährigen A. A. Z.