Beitrag 
Irland und O`Connell : erste Abtheilung.
Seite
485
Einzelbild herunterladen
 

N^RMKQ.

Irland und Q C v n »l e l l

Erste Abtheilung.

Avei Inseln rangen sich einst, vielleicht beide an ein und demselben Tage, aus dem Schooße des Meeres empor an die Ober­fläche und daö Tageslicht. Beiden hatte der Himmel den glänzen­den Schmuck eines lachenden Grün verliehen und die Natur hatte beiden in einem fruchtbaren Boden die sichersten und unerschöpflich­sten Quellen ewigen Reichthums geschenkt. Die Inseln selbst trennte nur ein enger Canal, der sich wenige Stunden weit zwischen ihnen hinzieht; ihre Bevölkerungen aber hielten Verschiedenheit der Ab­stammung und der Sitten von einander fern, und in dieser Abgeschie­denheit fanden beide lange Jahrhunderte hindurch ihr Glück. Da fiel es einer Schaar normännischer Abenteurer ein, nachdem sie sich der größeren der beiden Inseln bemächtigt hatte, auch die andere kleinere zu erobern, und bald fanden sich beide Länder unter der Herrschast eines Scepters vereint. Aber gerade seit diesem Mo­mente bietet das Geschick dieser beiden Länder das traurige Schau­spiel eines gehässigen Contrastes von Licht und Schatten ohne alle vermittelnden Uebergänge.

Auf derjenigen der beiden Inseln, welche die fremden Eroberer sich zuerst unterworfen, vermischte sich der Stamm der Sieger nach und nach mit dem der Besiegten. Es erhob sich in diesem Lande eine Aristokratie, die stark und einsichtsvoll dem Königthum gegen­über eine sür das Volk wohlthätige Rolle spielte. Sie machte sich zur Beschützerin desselben und verband sich mit ihm durch eine einige Gemeinschaft der Religion, Sitten und Sprache, der Interessen, Ge­danken und Vorurtheile. An die Spitze einer gewerbfleißigen, han-

45