Tage b u ch.
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Preußische Vor- und Rückschritte.
(Aus Lcipzig )
Es ist so stille in Berlin, so schwül in Preußen. Hier aber horcht man und legt das Ohr an die Erde, ob kein prophetischer Laut von daher den deutschen Boden durchzittere. Es ist nicht eitle Kannegießer-Neugier, daß man auf der Lauer steht. Wenn Manche, aus alten Antipathien gegen den ein- köpfigen Adler, mit stummer Schadenfreude jetzt die Lippen aufwerfen: so gibt es Andere, die einen ehrliche» Fortschritt Preußens mit Jubel begrüßen würben. Denn sie fühlen, daß im preußischen Wesen neben mancher fast undeutschen Untugend, neben dem Uebermuth und Fiatlersinn des Berlinerthums, manche kerndeutsche Tugend liegt, die auch andern Stammen zu wünschen wäre; daß Preußen, minder zäh und sichergehend als Schwaben und Sachsen, auch minder engherzig ist und eine gewisse Schwungkraft besitzt, die, im rechten Moment richtig geleitet, Großes vollbringen könnte. Auch sieht man ein, daß alle politischen Schöpfungsversuche, so lange sie auf einen kleinen Raum, wie auf einen Jsolirschemel, beschränkt sind, verkümmern und eitel Stückwerk bleiben. Die wenigen konstitutionellen Staaten Deutschlands stehen wie Oasen mitten in dem Wirrwarr von Schutt und unfertigen Bauten ringsum, den das heilige römische Reich uns vererbt, und den der Bundestag in ^«rxetuui» sanctionirt zu haben scheint. Und es ist wohl nicht bloßer Zufall, der jene Oasen so oft mit Sand- und Staubwolken von allen Seiten überzieht und Zhre Atmosphäre trübt: sie statuiren ein Exempel, man will also dafür sor- g,e», daß dieses Exempel so kleinlich und ohnmächtig als möglich ausfalle.